Plattdeutsch
Unsere Loge pflegt bei besonderen Gelegenheiten, u.a. auch bei einer sog. „Plattdeutschen Arbeit“ in unserem Tempel, die Plattdeutsche Sprache. Federführend ist hier ein Logenmitglied und Heimatdichter, nachfolgende Übertragungen aus dem Hochdeutschen mögen hier Beispiele geben; für die Leser, des Plattdeutschen nicht geübt sind, haben wir die Originaltexte mit beigefügt.

Wat is Freemürkeree?
Dat is, wat Een, de sökt, dar finnen kann!

Tohuus meent se Groothartigkeit un Gnaad,
In Berroopsbaantje is´t Ehrhaftigkeit,
In minschlich Sellschupp is se Bewies von Hööflichkeit,
Bi de Arbeit hört Anstand un Ehrbaarkeit dato,
För Unschuld un Unheel is´t Mitleed un Weekgeföhl,
Bi Unrecht fordert se Wedderpart,
Bi swacket Föhlen bringt se Stütt un Hülp,
Dat Settrecht verplicht jem to Troschülligkeit,
Hett Annerseen mol Unrecht dohn, schallt´t Vergeten sien,
Wenn Een dat Rüen opbringt, schall se mit Vergeeven antern,
Se will dat eegen Glück mit´nanner deelen;
Vör Gott meent se Trosamkeit un Neegstenleev!
Was ist Freimaurerei?


Daheim ist sie Güte,
Im Geschäft ist sie Ehrhaftigkeit,
In Gesellschaft ist sie Höflichkeit,
Bei der Arbeit ist sie Anständigkeit,
Für den Unglücklichen ist sie Mitleid,
Gegen das Unrecht ist sie Widerstand,
Für das Schwache ist sie Hilfe,
Dem Gesetz gegenüber ist sie Treue,
Gegen den Unrechttuenden ist sie Vergessen,

Beim Reuigen ist sie Verzeihen,

Für den Glücklichen ist sie Mitfreude,
Vor Gott ist sie Ehrfurcht und Liebe.

(Aus dem Hochdeutschen ins Plattdeutsche übertragen von Br. Ernst Dünnbier)

Wat Goethe us to seggen hett        
is`n Sinngedicht, is een Sonett:

Natuur un Kunst, dat is keen Wedderpart,     
de höörn topass op wunnersame Aart.
Ofschoonst de Minschheit liekut nich verspört,
föhln wi, as us dat packt un röhrt!
Afmöhn mutt oprecht un heel ehrlich sien!     
So gifft Natuur in`t Hart ehrn Wedderschien,  
wenn Een mit veel Geföhl un mit Verstand    
as sien Beleevnis dann de Kunst empfand!
Mol wat toennenbringen is wie`n Dwang,     
de mehrstendeels nich ohne Sinn gelang,
denn veel to kort is alltiet doch dat Leven!  
Sick wittfull into schränken is mehr wert,      
dat is`t, wat us de wohre Meester lehrt:       
„Dat Settrecht bloots kann us de Frieheit geven!“
Was Goethe sich dabei gedacht,
hat als Sonett er uns vermacht:

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.
Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst, in abgemessnen Stunden,
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.
So ist's mit aller Bildung auch beschaffen.
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.
Wer Großes will, muss sich zusammenraffen.
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister:
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben

(Plattdeutsch interpretiert vom Br. Ernst Dünnbier)